Austausch |
Der Suchtprozess führt unweigerlich zur Verheimlichung. Er bewirkt im Anfangstadium, dass über die Dinge, die
mit der
Sucht in Verbindung stehen, geschwiegen wird. Man schämt sich, fühlt sich anders als die anderen und hütet sein "Geheimnis".
Der Lebensprozess, der vom Austausch lebt, stockt. Allmählich baut man sich ein geschlossenes System auf in dem man lebt
wie
in einem Gefängnis. Man redet zwar noch aber nicht mehr über die Dinge, die einem wirklich betreffen.
Dieser Prozess ist fortschreitend: das Schweigen wird zu einer Haltung und führt letztendlich zur inneren und äußeren Isolation. Man kann es auch den Prozess der fortschreitenden Verleugnung nennen. Durch die Verleugnung werden auch die
Gefühle unterdrückt; es kommt zu einer emotionalen Verdrängung, durch die man sich innerlich wie abgestorben/eingefroren erfährt.
Um aus der Spirale der Verleugnung und Verdrängung (= des sich Verschließens) herauszukommen braucht man den Austausch mit
anderen Menschen. Da aber der Zugang zu dem eigenen Ich anfänglich versperrt ist, wird das Erzählen über sich selbst nicht
sofort möglich sein. Daher genügt es in der Anfangsphase die Bereitschaft in sich zu tragen aus dem Bann des Schweigens
heraustreten zu wollen und anderen Menschen bei ihren Erzählungen zuzuhören. Schon durch die Entscheidung zur Bereitschaft
öffnet sich eine Türe durch die, die Erzählungen von den anderen hereingelassen werden und dies wiederum berührt eigene
Erfahrungen, die langsam den Weg finden können sich aus der Verschleierung zu befreien.
Das Zuhören und das Erzählen "bewegt", und die Kraft des sich wieder Fühlens, wird spürbar. Es meldet sich anfänglich leise
und dann immer deutlicher die eigene innere Stimme: verschüttete Erfahrungen finden wieder Zugang zur bewussten Ebene und
geben Kraft der eigenen Wahrnehmung wieder zu trauen. Auch wenn anfänglich die Erinnerungen schmerzhaft sind, so fühlt man sich
doch lebendiger, fähiger mit sich selbst und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Das Vertrauen in sich
selbst wächst und durch den Austausch mit anderen erweitertet sich das Verhaltensspektrum und man schöpft Mut Neues
auszuprobieren. Letztendlich will auch die Freude über die neu gewonnene Lebendigkeit geteilt werden.
Dieser Austauschprozess ist kein linearer Prozess, sondern so wie der Suchtprozess ein spiralenförmiger, nur jetzt in Richtung Öffnung. Mit den dazu gewonnenen Fähigkeiten Menschen am eigenen Leben teilhaben zu lassen und Anteil zu nehmen am Leben anderen
Menschen bewegt man sich vorwärts und gleichzeitig steht man immer wieder vor einer neuen Stufe der Entwicklung, die sich wie ein
Neuanfang anfühlt.
Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude!