Gemeinschaft |
Ein Wesenmerkmal der Sucht ist Isolation, die mit Einsamkeit, Verlorenheit und des sich nirgends zugehörig fühlen,
verbunden ist. Ein geschlossenes System, wie unter Austausch beschrieben, lässt keine neuen
Informationen heraus und herein: die Augen sind verklebt, die Ohren verstopft und das Herz verpanzert. Im Austauschprozess
erfährt man wie Augen, Ohren und Herz sich langsam wieder öffnen. Am Anfang, wo die eigene Blind-, Taub- und Gefühllosigkeit vorherrscht braucht man die Ohren, Augen und Herzen anderer Menschen in deren Spiegel man die eigene Einschränkung erleben kann und die einem helfen mit ihren Sinnesorganen wieder sehen, hören und fühlen zu lernen. Ein offenes Ohr, eine verstehende Stimme, ein Mitfühlendes Herz lässt einen erfahren, dass man nicht so ganz anders, sondern
ein Teil vom einem größeren Ganzen ist, verbunden mit Menschen, die ähnliches erlebt haben und verstehen
können, was einen bewegt.
Von den Erfahrungen dieser Menschen kann man lernen, kann Neues ausprobieren und braucht vielleicht nicht jeden Irrweg
gehen, den bereits ein Anderer beschritten hat. Man kann ihnen von den neuen Versuchen erzählen, die man starten
möchte, und kann sich dabei Hilfe und Unterstützung holen.
Man kann sich im Kontakt mit anderen Menschen erproben und die Kunst lernen, Freiheit und Verbindlichkeit miteinander
zu verbinden. Darüber hinaus kann man in einer Zeit, in der die alten
Rituale oft als überholt erfahren werden, neue Rituale entdecken, die den Alltag bereichern oder wie man z.B. Feste
feiert um wichtige Lebensabschnitte wieder zu würdigen.
Und schließlich kommt man damm auch einmal an dem Punkt, wo man die eigenen offenen Ohren und Augen und das eigene offene Herz
einem noch blinden, tauben und ,eingefrorenen' Menschen zur Verfügung stellen kann und erfährt die Dankbarkeit,
die ein Grundpfeiler gelebter Spiritualität ist.