Folgen von Missbrauch und Gewalt

Die Langzeitfolgen von sexuellen Missbrauch und Gewalt können sehr weitreichend sein. Sie durchdringen das ganze Leben: u.a. das Selbstwertgefühl, die nahen Beziehungen, die Sexualität, das Arbeitsleben, die Beziehung zu den eigenen Kindern und können sich in vielfältigen Symptomen äußern wie z.b. Depression, psychosomatische Beschwerden, Angst- und Panikzustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Burn-out Syndrom, Selbstverletzungen, Suizidgedanken. Manche Menschen haben auch die Flucht vor den schier unerträglichen Schmerzen angetreten und missbrauchen Substanzen oder Prozesse um sich abzulenken und geraten damit in einer neuerlichen, destruktiven Abhängigkeit.

Menschen, die Missbrauch und Gewalt erlebt haben, entwickeln sogenannte Überlebensstrategien: Verharmlosen (was auch immer passiert sein mag; so schlimm kann es nicht gewesen sind), Rationalisieren (Vernunftgründe suchen), Ungeschehenmachen (wegsehen oder ,es ist nicht wirklich passiert'), Vergessen (die Erlebnisse sind dem Bewusstsein nicht zugänglich), Abspalten (der Körper wird gefühllos gemacht, Körper und Bewusstsein sind getrennt, man verlässt seinen Körper) und manche Menschen können lange Zeit ganz gut mit diesen Überlebensstrategien ein sogenanntes ,normales' Leben führen. Häufig treten aus scheinbar unerklärlichen Gründen Erinnerungen auf oder die vorhandenen Erinnerungen treten in den Vordergrund. Die betroffenen Menschen geraten dadurch in ein inneres Chaos. Der Versuch das Chaos unter Kontrolle zu halten oder die Flucht anzutreten, gelingt nicht mehr: Es machen sich verstärkt Symptome bemerkbar.

Wie schlimm auch immer der Missbrauch oder die Gewalt war: Es gibt einen Weg der Heilung, der durch viele Stadien geht und oft längere Zeit in Anspruch nimmt. Dazu braucht man Hilfe und Unterstützung auf vielerlei Ebenen.